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Stimmung auf dem Christkindlesmarkt: Mulmiges Gefühl im Bauch

Nach Bombenalarm schwanken Besucher zwischen Sorglosigkeit und Vorsicht

Die Beamten kontrollieren an den Eingängen zum Markt auch stichpunktartig Rucksäcke. Michael Matejka

Ludwig Müller stammt aus einer alten Schaustellerfamilie und war schon als Schulbub mit seinen Eltern auf dem Christkindlesmarkt. Bereits vor 40 Jahren stand der Verkaufsstand mit Lebkuchen unweit der Frauenkirche, "aus Gaudi spielten wir Jungs noch im Rathaushof Fußball, heute stehen da die Absperrgitter, mit denen der Markt aus Sicherheitsgründen abends dicht gemacht wird". Vieles habe sich in den Jahren verändert, noch recht neu sei das mulmige Gefühl im Bauch.

Letztes Jahr kam es mit aller Wucht nach dem Attentat auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche, "vorher war die Gefahr gefühlsmäßig weit weg". Plötzlich dachte Müller: Es könnte auch in Nürnberg etwas passieren. Von dem verdächtigen Paket, das am Freitagabend für eine Evakuierung des Marktes in Potsdam sorgte, hörte der 49-Jährige sehr rasch, "mittlerweile kriegt man ja alle Nachrichten aufs Handy". Müller war erleichtert, dass in Potsdam alles glimpflich ausging. Und selber ist er froh, dass die Polizei rund um den Hauptmarkt so präsent ist. "Man hat das Gefühl, dass jemand auf einen aufpasst."

Nicht zuhause einigeln

Tatsächlich stehen die Beamten an den Zuwegen zum Hauptmarkt nicht nur an den Einsatzbussen - nach eigenen Angaben kontrollieren sie auch stichpunktartig Rucksäcke von Besuchern. Man könne sich schließlich nicht daheim einigeln, ergänzt Sonja Böttcher aus der rheinländischen Freundesclique. Das Gefühl in dem dichten Gedränge zwischen den Verkaufsständen sei kein anderes als früher - Nachrichten, wie die aus Potsdam, könnten ihr nichts anhaben. "Die Handtasche nach vorne vor den Bauch gehängt, damit nichts geklaut wird, und los geht’s."

Weiße Pracht: Die Schnee-Bilder vom Christkindlesmarkt

Die funkelnde Weihnachtsbeleuchtung am Christkindlesmarkt wird seit Sonntag von feinen, weißen Schneeflocken ergänzt. Besonders am späten Nachmittag schüttelte Frau Holle kräftig über dem Nürnberger Himmel und verhalf dem frommen Weihnachtstreiben so zu seinem ganz besonderen Charme. Die Schnee-Bilder aus der Altstadt gibt es hier.

Ein paar Schritte weiter schlürft eine Berlinerin mit ihrer Schwester Glühwein, sie kenne den Weihnachtsmarkt und sogar die Apotheke in Potsdam, in der das Paket abgegeben wurde, sagt die 50-Jährige. Sie habe unter den vielen Menschen ein bisschen ein ungutes Gefühl, "aber ich versuche, das zu ignorieren". Ihr sind die Polizeibeamten in Nürnberg aber "zu lässig". "Sie sollten nicht so entspannt an den Einsatzfahrzeugen lehnen, sondern mehr Präsenz zeigen." Sie hat die Sorge, dass die Beamten "die Gefahrenlage" nicht so ernst nehmen.

Aus Trotz zum Bummeln auf den Markt

Gelassener sind Britta Klüver und ihre Freundinnen, die aus Hamburg zum berühmten Nürnberger Markt gekommen sind. Angst vor einem Anschlag haben sie nicht. "Wenn Sie uns nicht danach gefragt hätten, wäre ich gar nicht auf das Thema gekommen", sagt Klüver. Gabriele Ram hat einen Demeter-Hof in der Oberpfalz und verkauft gegenüber vom Rathaus Wurst vom Rind - die Polizeiabsperrung im Blick. Ihr elfjähriger Sohn habe gesagt: Mensch Mama, gut, dass du nicht mittendrin stehst im Christkindlesmarkt.

Alle Augen auf das Christkind: Der Prolog des Christkindlesmarkts 2017

Weihnachtliche Stimmung in der Nürnberger Innenstadt, am Hauptmarkt gingen die Lichter aus und alle Augen richteten sich auf die Frauenkirche: Am Freitagabend wurde der Nürnberger Christkindlesmarkt mit dem Prolog feierlich eröffnet. Ab 17.30 Uhr hatte Christkind Rebecca ihren großen Auftritt - und begeisterte die dicht gedrängte Menge im Herzen Nürnbergs.

"Ein gewisses Magengrummeln wegen der Sicherheit habe ich schon", sagt sie. Aber - so gut abgesichert wie der Christkindlesmarkt sei derzeit wohl kaum ein anderer Ort, meint Manuela Sobottka. Sie verkauft unter anderem Schutzengel aus Holz. "In meinem Freundeskreis gehen einige schon aus Trotz zum Bummeln auf den Markt, sagt die 28-Jährige. Sich von Befürchtungen kleinkriegen zu lassen, gehe gar nicht. 

Discover the Christkindlesmarkt

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