
Das Wetter in Nürnberg
|
Rebekkas "ganz große Freude"
 Das strahlende Lächeln klappt schon gut: Rebekka Volland (rechts) ist das neue Nürnberger Christkind und wird in diesem und im kommenden Jahr den Christkindlesmarkt eröffnen. Die 16 Jahre alte Gymnasiastin, in Nürnberg geboren, löst Eva Sattler (links) ab. Gestern um zehn nach fünf Uhr nachmittags wurde Rebekka Vollands junges Leben schlagartig hektisch und aufregend. Da erfuhr die 16-Jährige im Schönen Saal des Rathauses: Sie ist das Nürnberger Christkind 2007/08.
Was soll man tun, wenn plötzlich vier Fernsehkameras und zehn Mikrofone auf einen zuhalten und die Medienmenge im Chor fragt: Na, wie war’s? Und, was nun? Rebekka Volland lächelt tapfer und findet Antworten. Sie freue sich am meisten auf die Märchenstunden mit den Kindern. Sie müsse jetzt erstmal zu Hause „runterkommen“ sich „ganz groß freuen“, dann den Marktprolog lernen. Die fünf anderen Kandidatinnen seien ihr beim Warten im Vorraum alle so sympathisch geworden, sie hätte es jeder gegönnt.
Das sieht die Jury ganz ähnlich: Es war eine Qual der Wahl. Die 15 Mitglieder – die Leiter des städtischen Presseamts, des Marktamts, der Congress- und Tourismuszentrale, das Vorjahreschristkind Eva Sattler und Nürnberger Journalisten – diskutierten eine halbe Stunde bis zu ihrer Mehrheitsentscheidung. Welcher Auftritt wirkte gekünstelt, was souverän?
 Auch völlig baff über das Wahlergebnis gelingt dem neuen Christkind und seinen Eltern ein Lachen: Michael, Rebekka und Martina Volland. Jedes der sechs Mädchen findet Anhänger. Haben sie doch alle ehrenhaft gekämpft, um die Fragen (Wie beschreiben Sie auswärtigen Freunden Nürnberg? Kennen Sie den Oberbürgermeister?) zu parieren, ein selbst gewähltes Gedicht (von Nietzsche bis Heinz Erhardt) und den Brögerschen Prolog vorzutragen. „Sie waren alle klasse“, sagt Presseamtschef Siegfried Zelnhefer. Geknickt blicken die fünf Ausgeschiedenen dennoch drein.
Aktiv beim Sport und in der Pfarrei
Rebekka Volland ist als vierte an der Reihe – und überzeugt durch ihre sehr natürliche Ausstrahlung und die richtige Mischung aus Mädchenhaftigkeit und Reife. Im Jahr 1100 wurde Nürnberg erstmals erwähnt, antwortet sie fragend. 50 Jahre zu spät, macht nichts. Treffsicher dagegen ihre Beschreibung des Christkinds als „jemand, der für alle da ist, der die Freude bringt, dass man nicht allein ist an Weihnachten“. Als sie letztes Jahr aus einer Wohnung gegenüber der Frauenkirche Eva Sattler den Christkindlesmarkt eröffnen hörte, habe sie das nicht mehr losgelassen.
 Und da soll man mal locker bleiben: Rebekka Volland trägt den Prolog zur Christkindlesmarkteröffnung vor einer Front aus Juroren und Mikrofonen vor. Drei Wochen lang kann sie ihn jetzt im Detail einstudieren. Fotos: Gerullis Sie sei ein aktiver Mensch, erzählt Rebekka, viel draußen im Wald unterwegs. Die 16-Jährige, 1,73 Meter groß, macht Breakdance, schwimmt gern, leitet in ihrer katholischen Pfarrei St. Hedwig eine Jugendgruppe und eine Kirchenband. Das „R“ rollt leicht fränkisch, als sie das heitere „Weihnachtsbäumlein“ von Christian Morgenstern aufsagt, die blauen Augen strahlen. Bei ihren Lehrern – Rebekka geht in die elfte Gymnasialklasse der Peter-Vischer-Schule – habe sie schon erfolgreich vorgefühlt, wie sie die versäumte Schulzeit aufholen könnte. Nach dem Abitur möchte sie für eine Zeit in der Entwicklungshilfe arbeiten, vielleicht ein Wirtschaftsfach studieren. Rebekka wohnt mit ihren Eltern Michael und Martina und zwei jüngeren Geschwistern in Großgründlach.
61 gültige Bewerbungen für die zweijährige Christkind-Amtszeit hatte es diesmal gegeben. Rebekka hatte ihre damals mit einem selbst gebastelten Goldengelchen und einem eigenen Gedicht geschmückt. Sie schrieb, dass sie als Kind eifrig Christkind-Postkarten sammelte und vermittelte der Jury auch damit die nötige Sympathie, um weiterzukommen. Aus den zwölf besten Kandidatinnen durfte wie immer die Bevölkerung sechs Favoritinnen küren: 20 500 Stimmen wurden dafür über die Zeitungen und das Internet abgegeben.
Ab dem 30. November steigt Rebekka Volland nicht nur täglich in das Engelskostüm, sondern auch in einen Riesenrummel. 150 Termine sind in der Adventszeit Programm. Aber: „Du wirst eine tolle Zeit haben“, prophezeit Marisa Sánchez, Christkind der Saison 2001/02, die die Wahl im Rathaus mitverfolgt. Das aktuell abgelöste Christkind Eva Sattler beglückwünscht die Nachfolgerin mit Blumen. Dann drücken Rebekkas Eltern ihre große Tochter – mittlerweile mit Taschentuch am Augenwinkel – und sagen vor Mikrofonen und Kameras: „Das schafft sie ganz sicher. Sie kann gut mit Menschen umgehen und weiß, was sie will.“
Von Isabel Lauer/NZ
|
|
|