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Erhaben und majestätisch - Eine Fahrt mit der Postkutsche ist eine nostalgische Zeitreise

Eine Fahrt mit der Postkutsche über den Nürnberger Christkindlesmarkt ist ein Muss für jeden Besuch!

Steffen Oliver Riese

Die Pferde

CTZ Nürnberg

„Wir sind eines der meist fotografierten Objekte auf dem Christkindlesmarkt“, sagt Kutscher Heinz Lehneis nicht ohne Stolz. Seit mehr als 25 Jahren trotzt der Kutscher hoch droben auf dem Bock Wind und Wetter. Die Bank teilt er sich mit Postillon Georg Pfann, der – im Wechsel mit seinem Postillonskollegen Ralf Zöbelein – im Dienst der Fahrgäste in sein glänzendes Horn bläst: „Abfahrt der Postkutsche mit zwei Pferden“ heißt das Signal zu Beginn der Rundfahrt, „Ankunft“ das am Ende. Unterwegs entlockt er dem Instrument weihnachtliche Weisen. Drinnen kuscheln sich die Fahrgäste in die dicken Polster und genießen den Ausblick auf die weihnachtlich geschmückte Weißgerbergasse. Erhaben, ja majestätisch fühlt sich diese nostalgische Zeitreise an und verdeutlicht eindrucksvoll, dass das Reisen in der Postkutsche ein teures Unternehmen war, das sich nur gut situierte Menschen leisten konnten. Die Postkutsche war, der schlechten Straßen wegen, das Sports Utility Vehicle der guten alten Zeit, wer arm war, quälte sich zu Fuß über Stock und Stein.

Der Postillion der Postkutsche in der traditionellen blau-weißen Uniform.

Stadt Nürnberg

 

 

Geschichte der Postkutsche und ihrer Pferde

Die Kutsche ist der 1939 gefertigte Nachbau einer neunsitzigen Berline mit zwei Coupés, also zwei Abteilen, aus dem Jahr 1874. Das Museum für Kommunikation stellt diese und eine weitere Kutsche seit dem Jahr 1950 für die beliebten Rundfahrten auf dem Christkindlesmarkt zur Verfügung. Im Geschirr stehen zwei rheinisch-deutsche Kaltblüter aus dem Stall von Kutschfahrtenunternehmer Lehneis.

Im gemächlichen Pferdegang ziehen die massigen Vierbeiner das Gefährt durch die Straßen und Gassen. „Die Pferde sind erfahrene Festumzugs-Teilnehmer. Wir laufen auch beim Rosenmontagszug in Köln oder beim Münchner Oktoberfestzug mit“, betont Lehneis. Alle drei bis vier Stunden tauscht er die Kutschpferde gegen ein frisches Paar aus. Muss die Kutsche an der Haltestelle auf Fahrgäste warten, schützen flauschige Decken gegen die Kälte.

Die Rundfahrt führt über die Augustinerstraße und Karlstraße zum Weinmarkt. Von hier geht es weiter durch die historische Weißgerbergasse zum Maxplatz und schließlich durch die Weintraubengasse zurück zum Ausgangspunkt.

In der unmittelbaren Nähe der Haltestelle Waaggasse befindet sich das historische "Weihnachtspostamt": In diesem extra eingerichteten Weihnachtspostamt können Besucher Fahrkarten erwerben und – bundesweit exklusiv – die Weihnachtspost mit Sonderstempeln vom Christkindlesmarkt versehen lassen.

Dieses Jahr kann die Postkutsche leider nicht fahren.

 

Autor: Thomas Meiler

Schnell noch raus winken und dann geht die Fahrt auch schon los!

Steffen Oliver Riese